Schwarzblauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus)

Es gibt weltweit ca. 2500 Käferarten die der Familie der Ölkäfer angehören, 37 davon leben auch in Mitteleuropa. Da Ölkäfer allgemein wärmere Gegenden bevorzugen, sind sie in Deutschland in Lebensräume wie Trockenwiesen, Steppenwiesen, Heide und Trockenwälder anzutreffen.

Man findet die Schwarzblauen Ölkäfer tagsüber von April bis Juni bevorzugt an offenen und meist sandigen Stellen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa bis nach Zentralasien. An manchen Stellen in Mitteleuropa kommen sie noch recht häufig vor. Da ihre Lebensräume aber zunehmend verändert werden, nimmt auch ihr Bestand immer mehr ab. Der Schwarzblaue Ölkäfer ist daher in Deutschland nach der Roten Liste gefährdeter Arten in die Kategorie 3 eingestuft.

Die bemerkenswerte Entwicklung von der Larve zum Käfer

 

Die weiblichen Käfer graben nach der Paarung ein Loch in den Boden, in das sie ihre Eier ablegen. Dazu eignet sich sandiger Boden besonders gut. Ist das Loch fertig gegraben, legen sie meist mehrere tausend Eier hinein, die sie anschließend wieder zu graben.

Wenn die Larven schlüpfen, sie sind anfangs nur ca. 3 mm lang, sehr beweglich und haben lange Beine und dies nicht ohne Grund. Die Laven des Ölkäfers haben eine sehr außergewöhnliche Taktik entwickelt um an ihre erste Nahrungsquelle zu gelangen. Gleich nach dem Schlüpfen machen sie sich auf die Suche nach Pflanzen an denen sie hoch klettern um sich dort auf einer Blüte nieder zu lassen. Hat eine Larve eine Blüte gefunden, dann wartet sie dort so lange, bis ihr unfreiwilliger Chauffeur (eine solitäre Biene, wie z.B. eine Erdbiene) vorbei kommt und sie zu ihrem neuen „zu Hause“ transportiert, wo ihre Mahlzeit schon auf sie wartet.

Während die Erdbiene nach Nektar sucht, klammert sich die Larve an einem Bein der Biene fest, bis diese zu ihrer Legeröhre zurück fliegt. Dort angelangt steigt die Larve ab und beginnt mit ihrer ersten Mahlzeit: Das Ei oder die Larve der Erdbiene und anschließend auch deren Vorräte.

Landet eine Ölkäferlarve in einem Honigbienenstock wird sie dort nicht überleben können. Die Larven sind also auf ganz spezielle Wirte angewiesen.

 

Da die Ölkäfer eine so spezielle Art des Parasitismus während des Larvenstadiums entwickelt haben, kann natürlich nur ein geringer Teil von ihnen überleben. Das ist aber auch gut so, denn hätten alle zwei bis zehn Tausend Larven die Gelegenheit sich zum Käfer zu entwickeln, hätten wir schon nächstes Jahr eine Ölkäferplage.

Doch gerade aus diesem Grund, weil die Überlebungschancen für eine Ölkäferlarve nicht besonders gut sind, legen die Weibchen solche Massen an Eiern ab.

 

Hat eine Ölkäferlarve es geschafft ein Nest einer solitären Biene zu erreichen, wird dieses während ihres gesamten Larvenstadiums ihr „zu Hause“ sein.

Sie ernährt sich während dieser Zeit von dem Nachwuchs und den Vorräten der Biene.

Die Larve durchläuft während ihrer Entwicklung eine Hypermetamorphose. Das heißt, sie sieht in jemden Stadium anders aus.

Im ersten Stadium (Triungulinus-Stadium) ist der sehr bewegliche Körper der Larve optimal dafür ausgestattet, um an Pflanzen hoch klettern- und sich an den Wirtstieren festklammern zu können. Sie besitzt lange Beine an deren Enden drei winzige klauenartige Fortsätze zu sehen sind. Im Triungulinus-Stadium kann die Larve mehrere Wochen ohne Nahrung überleben.

Im weiteren Verlauf häutet sich die Larve noch einige Male, wobei sie nach jeder Häutung eine andere Gestalt annimmt.

Im vorletzten Stadium findet die Verpuppung statt. Das letzte Stadium ist das Imago – Stadium, wo sich die Puppe bereits zum fertig entwickelten Käfer umgewandelt hat.

 

Der fertig entwickelte Käfer

               

Der Schwarzblaue Ölkäfer ist ein sehr interessantes Insekt und und ähnelt vom Körperbau her einer riesigen Ameisenkönigin. Während der Larvenzeit führt der Ölkäfer eine parasitäre Lebensweise. Die fertig entwickelten Käfer ernähren sich dagegen rein pflanzlich von Blättern, Blüten und Gräsern. Sie halten sich in der Regel am Boden auf und suchen dort nach Nahrung, Fortpflanzungspartnern und anschließend nach geeigneten Eiablageplätzen.

Ölkäfer produzieren zur Abwehr von Fressfeinden giftige Stoffe. Wie alle Insekten besitzen auch die Ölkäfer kein wirkliches Blut sondern stattdessen die sogenannte Hämolymphe.

In der Hämolymphe der Ölkäfer ist ein giftiger Stoff enthalten. Zum Beispiel gegen Ameisen und Laufkäfer kann er sich mit seinem Gift gut verteidigen. Bei Gefahr sondert er aus Poren an seinen Beingelenken eine giftige Flüssigkeit ab. Diese tröpfchenweise abgesonderte Flüssigkeit sieht durch ihre leicht gelbliche Färbung ähnlich aus wie Öltröpfchen. Dadurch haben die Käfer auch ihren Namen erhalten.

Sein Gift schützt den Ölkäfer jedoch nicht vor allen Fressfeinden. Es gibt Tiere die gegen das Gift immun sind, wie z.B. der Igel und viele Vögel. Ja es gibt sogar Tiere, die sich das Gift des Ölkäfers zu Nutze machen können um sich selbst vor Fressfeinden zu schützen. Hierzu gehören z.B. die Feuerkäfer, der Blumenkäfer und einige Gnitzenarten.

 

Der Hauptwirkstoff des Ölkäfergifts ist das Cantharidin.

Für den Menschen können bereits geringe Dosen giftig sein, doch schon die alten Griechen wussten, dass das Gift der Ölkäfer auch heilende Wirkung haben kann. Im antiken Griechenland verwendete man es vor allem gegen Darmerkrankungen. Das Cantharidin ist auch unter dem Namen „Spanische Fliege“ bekannt. Die Spanische Fliege ist ebenfalls ein Käfer aus der Familie der Ölkäfer. Zur gewinnung und Verwendung des Cantharidins wurde meist die Spanische Fliege zermahlen.

Heutzutage findet es vor allem in der Homöopathie Anwendung. Das entsprechende homöopathische Produkt findet man unter der Bezeichnung „Cantharis vesicatoria“. Doch nicht in allen Ländern ist die Anwendung von Cantharis vesicatoria erlaubt, wie z.B. in den USA.